Unsere Reise nach Jorori/Kenia dieses Jahr stand unter dem unguten Gefühl des Wissens um die große Dürrekatastrophe am Horn von Afrika und dem Unbehagen, was uns erwartet. Die uns schon im Vorfeld durch Jinja geschilderten Umstände trafen wir leider genau so an. Es ist gegenüber den letzten Jahren eine so spürbare Verschlechterung der Lebensumstände eingetreten, dass sich dies auf alle Bereiche auswirkt.

Die ganz große Not wie im Norden von Kenia und in Somalia fanden wir Gott sei Dank nicht vor, jedoch sind bedingt durch die kürzeren Regenzeiten die Ernten wesentlich dürftiger ausgefallen. Dies wiederum hat unter anderem zu einer erheblichen Preisexplosion bei Grundnahrungsmittel  geführt.

Bei unserem letzten Besuch im September 2010 haben wir für 400 Euro den Einwohner von Jorori jeweils ein Kilo Reis, 1 Päckchen Zucker und Waschmittel als Gastgeschenk überreichen können. Dieses Jahr reichten 900 Euro gerade mal für je 1 kg Reis.  Die Menschen können tatsächlich nur noch überleben. Es war zu sehen, wie notwendig sie diese Unterstützung brauchen, aber auch eine große Freude, wie dankbar die Menschen diese kleine Hilfe angenommen haben.

Wir haben viele Gespräche mit den Menschen geführt um zu erkunden, wie ihre Situation nachhaltig verbessert werden kann, was sie selbst und was wir dazu tun können. Die Situation in der Schule ist nach wie vor kritisch, die Lehrer beklagen fehlende Unterstützung durch die Behörden, schlechte Arbeitsbedingungen und ungenügendes Arbeitsumfeld. Die Gemeinde selbst ist nicht in der Lage genügend Kapital für eine Verbesserung der Gebäudesubstanz aufzubringen. Selbst für die Instandhaltung reicht es nicht und die derzeitige wirtschaftliche Situation der Familien lässt für absehbare Zeit keine Verbesserung erwarten.

Durch den Überlebenskampf in den Familien rückt auch der Schulbesuch der Kinder in die zweite Reihe. Durch Gespräche mit den Lehrern haben wir erfahren, dass die Kinder zuerst helfen müssen, Nahrung für den Tag zu besorgen und erst danach zur Schule gehen können. Die Kinder bestätigten, dass sie nur noch wenig Zeit zum Lernen haben.

Trotz der dieser schwierigen Lage haben uns die Kinder und die Erwachsenen wieder sehr freudig und liebevoll empfangen. Wir konnten Handwerksarbeiten aus unserem Näherinnen-Projekt sowie Holzschnitzereien aus dem Dorf erwerben und fast alle Waisenkinder haben uns selbsterstellte kleine Handarbeiten mitgegeben.

Während unseres Besuches haben wir für alle Schulkinder wieder eine Schulmahlzeit kochen lassen, Reis mit Gemüse, Kraut und Fleisch – ein Festessen mit strahlenden Gesichtern und mal wieder einem „vollen Ränzle“.

Unser Saatgutprojekt werden wir, wie vor unserer Reise berichtet, zukünftig ausbauen. Wir haben ein Grundstück gekauft und wollen dieses mit unserem Partnerverein in Ukunda, der „Leben leben Initiative poultry farming“, den Witwen und den Dorfbewohner nachhaltig bewirtschaften. Neben Getreide sollen auch Wassermelonen, Gurken, Tomaten und Früchte angebaut werden, ebenso wie Maniok und Mais. Auf dem Grundstück stehen bereits Kokospalmen, Mango- und Cashew-Bäume, die wir natürlich  ebenfalls nutzen werden. Mittelfristig soll das Projekt erweitert werden durch eine Hühnerfarm, Ziegenhaltung und Kühe.

Als erstes wird das Feld jedoch von Unkraut und Buschwerk geräumt und ein Brunnen gebohrt. Zu diesem Zweck haben wir zusammen mit einem indischen Wasserwirtschaftler einen Standort auf dem Grundstück „gewünschelrutet“ und  „a river with a lot of water“ gefunden. Wir werden über dieses Projekt weiter berichten.